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Begriffsdefinitionen

Buzzwords sorgen für Missverständnisse

Man spricht über das Gleiche, meint aber nicht dasselbe: Bei Trend-Begriffen wie Agilität, DevOps, Design Thinking etc. entstehen schon mal Missverständnisse zwischen Kunde und Dienstleister. Zwei bbv-Experten erläutern oft gebrauchte Begriffe – und wie sie bbv verwendet.

11.02.2021Text: tnt-graphics0 Kommentare
Buzzwords
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Modebegriffe sind in aller Munde. Im IT-Umfeld gibt es viele schillernde Buzzwords, die unterschiedlich interpretiert werden, weil eine verbindliche Definition fehlt. Manche Bezeichnungen werden zwar sehr oft verwendet, aber oftmals stark vereinfacht oder gar verfälscht gebraucht. Dazu gehören Bezeichnungen wie etwa «agil» oder «DevOps». Solche Trend-Begriffe kommen meist sehr plötzlich auf. Sie werden in der Arbeitswelt oder in den Medien dann oftmals verwendet, ohne dass ein breiter Konsens über ihre eindeutige semantische Bedeutung besteht. So bürgern sich Bedeutungen ein, die von der ursprünglichen Definition abweichen. Das führt nicht nur zu einer erschwerten Kommunikation, sondern auch zu Missverständnissen und mitunter zu Komplikationen zwischen Kunde und Auftragnehmer, weil die beteiligten Parteien nicht vom gleichen Sachverhalt sprechen.

Patrick Labud, Senior Consultant für User Experience bei bbv, und Marco Ravicini, Senior Software-Architekt bei bbv, stellen einige Begriffe aus ihrem Arbeitsalltag vor, bei denen sie immer wieder solche Bedeutungsunterschiede feststellen.

agil

So wird der Begriff «agil» oft verwendet:

Agilität ist ein Wundermittel und ganz einfach einzuführen: Wer agil entwickelt, kann einfach mal drauflos arbeiten, muss nie mehr planen und ist viel schneller am Ziel. Nichts ist verbindlich, da man jederzeit alles ändern kann, was einmal abgemacht wurde. Schliesslich ist man ja wendig und flexibel – agil halt. Die Beteiligten im Team arbeiten in den Tag hinein, ihr Arbeitsalltag ist chaotisch, aber trotzdem sind sie sehr effizient. So arbeitet man heute.

So verwenden wir den Begriff «agil»:

Software agil zu entwickeln bedeutet, in iterativen Schritten und regelmässigen Anpassungen zu arbeiten. Die Resultate der Arbeit werden immer wieder inspiziert, die Beteiligten holen regelmässig Feedback ein, um die Entwicklung möglichst straff zu optimieren. In der agilen Arbeitsweise sollen stets jene Aufgaben erledigt werden, die zum aktuellen Zeitpunkt für das Projekt am «wertvollsten» sind. Kontinuierliche Inspektion und Adaption geben jeweils die neue Richtung des Projekts vor. Bei allen Tätigkeiten steht der Mensch im Zentrum, die psychologische Stabilität und die Motivation der Beteiligten sind dabei zentral.

Ebenso steht immer der Nutzen für die Kunden und für die späteren Benutzer des Produkts im Fokus. In allen Phasen wird offen kommuniziert. Probleme werden angesprochen, um die weiteren Schritte im Prozess möglichst zielgerichtet und konsequent durchführen zu können. Auf wechselnde Bedingungen kann man reagieren und sich neu ausrichten – anders als bei einer langfristigen, starren Planung.

DevOps

So wird der Begriff «DevOps» oft verwendet:

In vielen Unternehmen wird DevOps primär als eine Optimierung bestehender Tools oder als eine Einführung neuer Tools verstanden, um damit mehr Automatisierung zu erreichen. Bei dieser Auffassung steht bei den Beteiligten des IT-Betriebs oftmals nicht die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Entwicklern oder eine Neuausrichtung der Software im Zentrum, sondern die Stabilität des laufenden Systems. In der Entwicklungsabteilung wiederum sind manche Mitarbeitenden auf die Software fokussiert und weniger auf die Zusammenarbeit. Es entsteht ein Konflikt zwischen jenen Beteiligten, die gemeinsam nach neuen Lösungen suchen wollen und jenen, die das System stabil halten wollen.

So verwenden wir den Begriff «DevOps»:

Der Begriff DevOps beschreibt die enge Zusammenarbeit, die Verzahnung zwischen Entwicklung und Betrieb – also die Kooperation zwischen Development (Dev) und Operations (Ops). Es liegt im Wesen dieser zwei Gruppen, dass sie unterschiedliche Perspektiven einnehmen: Während die Entwickler neue Features liefern, hat der Betrieb das stabile System im Fokus. Aus der gemeinsamen – manchmal schwierigen – Zusammenarbeit entstehen jedoch wertvolle Resultate.

Softwareentwicklung und IT-Betrieb setzen dazu auf eine agile Arbeitsweise und einen hohen Grad an Automatisierung, um eine Continuous Delivery zu erreichen. Durch Experimentierfreude und Lernbereitschaft soll etwas Neues entstehen. Dabei steht nicht die Methode oder ein Tool im Fokus, sondern das Konzept, die Philosophie einer neu definierten Zusammenarbeit. Statt isoliert zu arbeiten, sollen bei DevOps sowohl die beteiligten Entwickler als auch das Management, Administratoren, Tester, Requirement Engineers etc. in den Entwicklungszyklus involviert werden.

Agile Skalierung

So wird die Bezeichnung «agile Skalierung» oft verwendet:

Da ein wachsendes Projekt mit der Zeit immer mehr Aufwand erfordert, wird es notwendig, dass mehr Teams an den bestehenden Aufgaben mitarbeiten. Die Einteilung der notwendigen Arbeiten wird nicht anhand des Produkts vorgenommen, sondern anhand der vorhandenen Mitarbeitenden beziehungsweise vorhandener Teams. Das heisst, dass nun mehr Personen die Aufgaben abarbeiten. So kommt es vor, dass jeweils mehrere Teams an denselben Aufgaben arbeiten. In der Folge wird die Kommunikation umständlicher und die Synchronisation aller Prozesse und Arbeiten exorbitant aufwendiger. Mehr beteiligte Entwickler und mehr Teams sorgen dafür, dass die Synchronisation der Arbeiten und somit der Gesamtaufwand exponentiell zunimmt.

So verwenden wir die Bezeichnung «agile Skalierung»:

Steht ein grösseres Projekt an oder wächst eine bestehende Aufgabe, müssen mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, das Team aufgestockt und der ursprüngliche Plan angepasst werden. Dazu werden jedoch nicht einfach mehr Personen auf die bestehenden Aufgaben angesetzt, sondern das Produkt in verschiedene Teile separiert. Auf diese Weise können einzelne Teilbereiche den Teams zugewiesen werden, damit sich deren Mitglieder autonom um den jeweiligen Teilbereich kümmern können. Lediglich die Schnittstellen dieser Bereiche werden synchronisiert, damit die einzelnen Arbeitsfelder zu einem kompletten Produkt zusammengeführt werden. Der Aufwand für die Synchronisation wächst somit nicht an.

Design Thinking

So wird die Bezeichnung «Design Thinking» oft verwendet:

Design Thinking ist ein wahres Wundermittel, wenn es darum geht, Innovation zu ermöglichen. Sind kreative Ideen oder die Lösungen von akuten Problemen gefragt, wird mal eben ein Design-Thinking-Workshop durchgeführt, damit ins Stocken geratene Innovationsprozesse wieder vorangehen. Es werden innert kürzester Zeit vielversprechende Ideen generiert, die danach weiterverfolgt werden.

So verwenden wir die Bezeichnung «Design Thinking»:

Design Thinking ist ein Denkansatz, der eine kreative Herangehensweise an komplexe Probleme beschreibt. Die beteiligten Personen behandeln die zuvor definierten Probleme systematisch und ganzheitlich. Das heisst, dass alle am Produkt beteiligten Perspektiven zusammengebracht werden, um die optimale Problemlösung herbeizuführen. Dabei stehen die Nutzer beziehungsweise die Kunden und deren Bedürfnisse im Zentrum. Die Arbeitsschritte werden nicht in einzelnen Workshops abgehandelt. Vielmehr erfordern sie eine eingehende Analyse sämtlicher Aspekte, die in zyklischen Meetings zur Sprache gebracht werden.

Produkterfolg

So wird der Begriff «Produkterfolg» oft verwendet:

Manchmal wird Produkterfolg mit Projekterfolg verwechselt. Das heisst, man orientiert sich nicht an den relevanten Zielen für das Produkt, sondern am Projektplan, der am Anfang des Projekts erstellt worden ist. Arbeitet man diesen Plan ab, erreicht man einen hohen Projekterfolg. Der Produkterfolg jedoch bleibt unter Umständen auf der Strecke. Dies, weil die beteiligten Personen «künstliche Ziele» stringent verfolgt haben – also etwa die zuvor veranschlagte Zeit, das geplante Budget oder die anfänglich vorgesehenen Produkteeigenschaften. In der Folge ist das Projekt zwar erfolgreich, das Produkt ist es nicht.

So verwenden wir den Begriff «Produkterfolg»:

Ein Unternehmen hat mit einem Produkt dann Erfolg, wenn dieses für die Zielgruppe in passendem Umfang und optimaler Funktionalität zum richtigen Zeitpunkt im Rahmen des Budgets verfügbar ist. Damit dieses Ziel erreicht wird, kann es sein, dass während der Entwicklung mehrere Zielanpassungen und inhaltliche Änderungen vorgenommen werden müssen. Um einen Produkterfolg zu erreichen, können im agilen Sinn die relevanten Ziele – und somit das Projekt –  immer wieder neu definiert und die Kosten optimiert werden – sprich: das Projekt muss angepasst werden.

Die ursprüngliche Idee für diesen Artikel stammt von Urs Enzler. Danke schön Urs für deinen unermüdlichen Einsatz, mehr Klarheit in die Welt der Buzzwords und Trends zu bringen!

Der Experte

Patrick Labud

Patrick Labud ist als Senior Consultant für das Thema User Experience bei bbv tätig. Mit dem Ziel «glückliche User» unterstützt er Firmen dabei, UX in IT-Projekte zu integrieren. Für das Thema User Experience engagiert er sich zusätzlich in der Fachgruppe UX der Swiss ICT.

Der Experte

Marco Ravicini

Marco Ravicini ist als Senior Software-Architekt .NET bei der bbv tätig. Als Lead der Software Craftsmanship und .NET Community innerhalb der bbv ist ihm der Erfahrungs- und Wissensaustausch sehr wichtig. Marco ist passionierter Vertreter der Software Craft Bewegung.

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