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Zum bbv-Jubiläum

IT-Technologie von 1995

bbv wurde 1995 gegründet – in einem fast goldenen Zeitalter: Das Handy hiess noch Natel und verschickte die ersten SMS, der PDA kam auf den Markt, bevor man von Smartphones zu träumen wagte, und mit Windows 95 wurde das Desktop-GUI populär. Was stand bei Ihnen zu der Zeit auf dem Schreibtisch? Ein Blick zurück mit Robert Weiss, dem Experten für IT-Geschichte.

04.02.2021Text: tnt-graphics1 Kommentar
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90 Tonnen. So schwer ist die Sammlung alter Informatik- und Kommunikationsgeräte von Robert Weiss. Seine Sammlung ist damit die schweizweit grösste private Sammlung, die er nun in das Museum ENTER in Solothurn eingebracht hat, das 2022 in Derendingen neu eröffnet wird. Robert Weiss wurde zum Experten für IT-Geschichte und ist der Verfasser des Computerposters, auf dem im Grossformat die Meilensteine der Computer-, Elektronik- und Telekommunikationsgeschichte aufgezeigt werden.

Keiner weiss besser als Robert Weiss, wie die Technologie-Welt 1995 aussah – in dem Jahr, als bbv gegründet wurde. Am 15. November war der offizielle Startschuss des Unternehmens. Adrian Bachofen, Marcel Baumann und Detlef Vollmann gründeten damals in Luzern ein Softwareunternehmen ohne eigene Büroräumlichkeiten, dafür mit viel Enthusiasmus und vielversprechenden Ideen für die Zukunft. Inzwischen sind aus den drei Mitarbeitenden rund 300 geworden, und neben der Zentrale in Luzern kamen Standorte in Zürich, Bern, Zug, München, Berlin, Ho Chi Minh und Thessaloniki hinzu. bbv bewegt sich stets am Puls der Zeit – stets dem Credo «Making Visions Work» verpflichtet. Doch anlässlich des 25-jährigen Jubiläums geht der Blick zurück auf das Jahr der Gründung. Welche Computer waren damals aktuell, welche Web-Services gab es und mit welchen Betriebssystemen und Browser arbeitete man?

HP OmniBook 425

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HP OmniBook 425.

 

«Das Omnibook 425 war das erste 486er-Notebook von HP», erklärt Robert Weiss. Wem die Zahl 486 nichts sagt: Der «Viersechsundachtziger» von Intel war damals der State-of-the-Art-Prozessor für PCs. Heute ist er legendär und hat noch immer eine Fangemeinde, wie so manche Retro-Blogs zeigen. Im gleichen Jahr wurde aber auch der leistungsfähigere Pentium Pro (686) vorgestellt. Der Speicher des OmniBook war im Vergleich zu heute bescheiden. «Das Omnibook 425 gab es in drei Konfigurationen: ohne Massenspeicher, mit 10 MB Flash-Speicherkarte und mit einer 42-MB-Festplatte. Das Gerät wurde standardmässig mit 2 MB RAM geliefert.

 

IBM Thinkpad 701C

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IBM Thinkpad 701C.

 

Für damalige Verhältnisse schon richtig klein war das IBM-Laptop Thinkpad 701C mit einem. «Wegen seiner seitlich aufklappbaren Tastatur wurde das Gerät auch Butterfly genannt. So konnte man auf dem nur 24,7 Zentimeter breiten Gerät mit einem Keyboard von 29,3 Zentimetern Breite schreiben», erklärt Weiss. «Obwohl das kleine Gerät mit seinem 10,4-Zoll-Bildschirm viele Auszeichnungen gewann, blieb es ein Nischenprodukt mit mässigem kommerziellem Erfolg.»

Folgendes Video zeigt den Butterfly-Mechanismus sehr anschaulich:

iPhone-Vorgänger: Apple Newton

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Apple Newton.

 

Mitte der 90er-Jahre wurde zudem eine neue Gerätekategorie populär: Der PDA (Personal Digital Assistant), oder auch «Handheld» genannt. Neben Geräten wie dem HP OmniGo oder dem IBM Simon brachte es der Apple Newton mit dem Newton OS 2.0 1995 zu einem Erfolg. «Der Newton war vom Konzept her wegweisend. Auf diesem Gerät wurde erstmals die Handschrifterkennung auf mobilen Geräten sinnvoll eingesetzt», erklärt Robert Weiss. «Touchscreens und stiftbasierte Eingabe gab es zwar mit dem NCR 3125 und dem Compaq Concerto schon früher. Doch der Newton konnte die Handschrift in digitalen Text umsetzen. Nur war er leider zu langsam für den grossen Durchbruch.» So war es aus heutiger Sicht denn auch nicht erstaunlich, dass Steve Jobs den Apple Newton bereits 1998 wieder einstellte. Dies erzürnte allerdings die Newton-Fans so sehr, dass sie vor dem Firmensitz in Cupertino demonstrierten. Es nützte aber nichts: Apple vergrub rund 30’000 Geräte in einer Mülldeponie in Logan, Utah, in der zuvor schon 2700 ausgediente Personal Computer «Apple Lisa» entsorgt wurden. Die Newton-Serie wurde nie mehr weitergeführt, dafür präsentierte Steve Jobs 2007 das iPhone.

Werbefilm für den Apple Newton:

Apple PowerMac 9500

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Apple PowerMac 9500.

 

1994 lancierte Apple mit dem Power Macintosh (Power Mac) einen neuen High-End-Computer und eröffnete damit das Multimedia-Zeitalter. Robert Weiss erklärt die grosse Bedeutung dieses schnellen Rechners: «Die Firma Apple verabschiedete sich damals von den Motorola-Prozessoren und setzte aus Leistungsüberlegungen auf die PowerPC-RISC-Prozessoren von IBM. Zudem wurden die NuBus-Steckplätze, weiter ein Steckplatz für den Prozessor (PDS) mit Grafikkarte und Videodigitalisierung sowie das 16-Bit-Soundsystem eingeführt, was für den Multimedia-Einsatz entscheidend war.»

Die Revolution: Windows 95

Am 24. August 1995 brachte Microsoft ein revolutionäres PC-Betriebssystem auf den Markt: Windows 95. Die intuitive Desktop-Oberfläche mit dem grafischem User-Interface inklusive eingängigen virtuellen Analogien wie «Fenster», «Ordner» oder «Papierkorb» erleichterten die Arbeit mit dem PC für eine breite Nutzerschaft. Zwar kannten Besitzer eines Apple Macintosh diese Schreibtisch-Metaphern bereits seit Jahren, und auch die Computermaus gab es bereits seit den 1960er-Jahren. Doch erst mit Windows 95 wurden diese neuen Mittel zur PC-Bedienung so richtig populär. In den ersten vier Tagen verkaufte Microsoft 1 Million Disketten bzw. CDs mit dem neuen Betriebssystem.

Für Spätgeborene, die solch antiquierten Betriebssysteme nicht nutzen mussten, gibt es auf win95.ajf.me (Start Windows 95 -> Fullscreen) die Möglichkeit, einen Zeitsprung zu machen und Windows 95 fast authentisch zu bedienen.

Internetbrowser: Netscape, Mosaic, Internet Explorer

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Netscape Navigator.

 

Im Zuge von Windows 95 brachte Microsoft 1995 die erste Version des Internet Explorers (IE) auf den Markt. Der IE gehörte neben anderen Pionieren wie Mosaic (NCSA, 1993) oder Netscape Navigator (Netscape Communications, 1994) zu den ersten Webbrowsern, mit denen man das Internet beziehungsweise das WWW auf angenehme Weise durchforsten konnte. «Die explosionsartige Entwicklung des Internets kann man sehr schön an der Anzahl Web-Hosts, also der Server mit Webinhalten, verfolgen», erklärt Robert Weiss. «1992 waren es 26, im Folgejahr 623, und im bbv-Gründungsjahr 1995 bereits 235’000. 1998 waren es dann schon über 3,5 Millionen weltweit.» 1995 wurde zudem die Alphaversion des Java-Quellcodes freigegeben. Der Durchbruch von Java war vor allem dank der Integration in den Browser Netscape Navigator möglich.

Kommerzielle Webseiten: Yahoo, Amazon, Ebay

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Amazon 1995.

 

Mit den Browsern kamen auch die ersten grossen kommerziellen Web-Dienste auf, die teilweise noch heute aktiv sind. So etwa die Auktionsseite Ebay, die 1995 vom in Frankreich geborenen Iran-Amerikaner Pierre Morad Omidyar gegründet wurde. Die Suchmaschine Yahoo und der damalige Online-Buchhändler Amazon kamen im gleichen Jahr heraus.

SMS und mobile Daten

1995 brachte auch im Mobilfunk viel Neues: Damals wurde in der Schweiz die SMS eingeführt. Eine Nachricht von 160 Zeichen im Short Message System kostete 10 bis 20 Rappen, was diese Nachrichtentechnologie in den folgenden Jahren zu einer Goldgrube für die Telekommunikationsanbieter machte. Im Herbst 1995 wurde der Dienst «NATEL data» aufgeschaltet. Somit konnte man mit einem Mobiltelefon (in der Schweiz damals «Natel» genannt) nicht mehr bloss telefonieren, sondern auch digitale Daten austauschen. Browser für Mobilgeräte gab es damals allerdings noch nicht. Doch über eine serielle Schnittstelle liess sich das Laptop verbinden. Bereits 1996 kam Nokias Communicator auf den Markt, der über ein E-Mail-Programm und einen Browser zur mobilen Nutzung verfügte.

Bilder: zvg.

Robert Weiss, Experte für IT-Geschichte, in einer inzwischen legendären Demonstration des ersten Macintosh von Apple im Jahr 1984 am Schweizer Fernsehen:

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